14. Juli 2020

Vorsicht, enthält Gefühle

Ich verstecke mich immer gerne hinter diesem ganzen Computerkram, aber dahinter steckt eben jemand, der, wie jeder, Gefühle hat, also lass ich’s hier einfach mal kurz fließen. Ein kleiner, großer Ausschnitt aus meiner Vergangenheit.

Stell dir einen endenden Sommertag vor – du stehst da und schaust dir den Sternenhimmel an, warme Sommerluft und plötzlich reißt es dich weg.
Deine Gedanken sind plötzlich ganz weit gereist und du erinnerst dich mit merkwürdigen Gefühlen zurück an die Zukunft.
Du kannst nicht ganz festmachen, ob du dich dabei gut oder schlecht fühlst.
Du erinnerst dich an Gefühle, die du in der Vergangenheit hattest und schaust melancholisch auf vergangene Momente zurück.

Oft erinnere mich an die Zeit zurück, die ich mit einer, zu dem Zeitpunkt, für mich sehr wichtigen Person verbracht habe.
Eine Person, die mein Ich bis heute geprägt hat. Ich erinnere mich daran zurück, wie sich erste Treffen angefühlt haben und wie intensiv ich vieles wahrgenommen habe, aber auch daran, wie sehr ich im Laufe des Ganzen verletzt wurde.
In other words; ich war zu der Zeit das erste Mal so richtig verliebt.
Eine Beziehung, mit vielem hin und her, viel Verwirrung, aber auch merkwürdigen, wunderschönen Momenten.
Damals ist alles an meiner damaligen eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit gescheitert, welche durch mein extrem niedriges Selbstbewusstsein entstanden ist (jedenfalls rede ich mir das bis heute ein und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das der Grund war). Ich hatte Angst, dass Gesprächsthemen meinerseits langweilig sein könnten, dass wir intellektuell nicht gleich sein könnten – ich habe mich für einen Loser gehalten. Heute weiß ich, dass das völliger Quatsch ist (zum Glück).
Dadurch sind Treffen oft in stundenlange awkward silence eskaliert. Mir tat das leid, es ist nicht so, dass man das nicht mitbekommt, nein, ganz im Gegenteil; ich hätte mich verprügeln können dafür. Es war wie eine riesige, unsichtbare, nicht überwindbare Blockade.
Es war ein großes hin und her. Von Beziehung zu Freundschaft zu Kontaktabbruch zu Freundschaft zu Beziehung und noch mehreren Kontaktabbrüche, aber aus irgendeinem Grund konnte ich das nicht loslassen und irgendwie hat sie sich zu dem Zeitpunkt auch nie wirklich verpisst (vermutlich aus Mitleid, weil ich jedes mal so ekelhaft am Ende war).
Geendet hat die Story damit, dass sie mir mitgeteilt hat, dass sie mich nie wirklich geliebt hat und nur versucht hat, mir etwas zu geben.
Heute werde ich für verrückt erklärt, wenn ich sage, dass ich sie irgendwie verstehe und sie halbwegs in Schutz nehme, aber aus irgendeinem Grund, fühlt es sich richtig an.
Vielleicht, weil ich aus der Geschichte so extrem gewachsen bin, oder eben, weil sie es geschafft hat, mir zu der Zeit etwas zu geben, oder weil sie auch ihre struggles hat. Irgendwas an mir hat es geformt, mich auseinandergerissen und besser funktionierend wieder zusammengebaut – ich habe keine Ahnung.

Heute geht’s mir gut. Ich schaue lächelnd auf die Zeit zurück. An die Gefühle, die ich als kleiner, planloser, blue jeans tragender boy hatte, an die kleinen Insidejokes, an die Sachen, die eben doch schön waren.
Ich war damals alleine, oder habe ich mich alleine gefühlt und sie hat es tatsächlich geschafft, mir etwas zu geben, Dinge ein bisschen interessanter zu machen, ein bisschen Drama in mein damaliges Leben zu bringen.

Alleine bei dem Gedanken, dass ich mein Leben damals als langweilig betitelt habe, löst bei mir Übelkeit aus.
Guter Abschlusssatz.

Solltest du das hier jemals lesen: Danke nevertheless. Ich hoffe, dir geht’s gut. Ehrlich. Pass’ auf dich auf. 